„Wenn möglich bitte wenden“
- Apostel Wittich in Auerbach/V. -

Apostel Ralph Wittich besuchte am 20. November 2019 - dem diesjährigen Buß- und Bettag, die Gemeinde Auerbach im Kirchenbezirk Plauen. Begleitet wurde der Apostel von Bezirksevangelist Treiber. Der Predigt lag das Bibelwort Markus 1,15 zugrunde: „und sprach: Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“. Die Flöten-Kids, Chor und Instrumentalisten der Gemeinde gestalteten musikalisch den Gottesdienst mit. Apostel Ralph Wittich spendete einem Kleinkind das Sakrament der Heiligen Versiegelung.

Inmitten der „Stillen Zeit“

Der Buß- und Bettag gehört zur „Stillen Zeit“ im November. Diese Zeit bildet den Abschluss des Kirchenjahres bevor mit dem Advent das neue Kirchenjahr beginnt. Da passe doch das zu Beginn des Gottesdienstes vorgetragene Chorlied „Preis und Anbetung“ – stimmgewaltig vorgetragen, unterstützt von Trompete und Orgel - gar nicht richtig, so Apostel Wittich. Bei näherer Betrachtung erkennen wir jedoch, dass es sehr wohl passt. Denn Buß- und Bettag ist kein Tag des Niedergedrücktseins. Vielmehr erfordert er Aktivität, Standortbestimmung und ehrliche Selbstreflexion.

Ehrlichkeit des Herzens – klare Denkweise, eindeutige Haltung

Ein Beispiel für eine ehrliche Selbstreflexion gab Jesus mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Eigentlich müsse es heißen „Das Gleichnis vom geretteten Sohn“ oder „Das Gleichnis vom gütigen Vater“, meinte Apostel Wittich. Der zweitgeborene Sohn wollte sich selbst verwirklichen, ließ sich sein Erbe auszahlen und zog in die Welt hinaus. Das ist nichts Schlechtes. Doch leider führten äußere Umstände und seine Lebensführung dazu, dass er irgendwann so weit gesunken war, dass er selbst mit seiner Tradition brach, um zu überleben. An diesem Tiefpunkt in seinem Leben angekommen war er ehrlich zu sich selbst und erkannte seine Fehler. Er brachte den Mut auf zum Vater zurückzukehren, um bei ihm als Arbeiter seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sein Vater jedoch ging im freudig entgegen, nahm ihn - für jeden sichtbar, ohne ihm Vorwürfe zu machen - wieder in die Familie auf, beschenkte ihn und ließ ihm zu Ehren ein Mahl bereiten.

Oft erfüllen wir (un)bewusst Gottes Willen nicht. Der Vater des verlorenen Sohnes war barmherzig – so wie Gott. … vorausgesetzt, wir erkennen unser eigenes Versagen. Dann haben wir Aussicht auf Gnade und auf Gerechtigkeit, die abgemildert wird durch Güte und Verständnis.

Fazit

Es ist noch Raum zur Buße. Wir wollen deshalb christliche Werte aktiv - mit ehrlicher Überzeugung - glaubhaft leben. Durch Vergebung gelangen wir aus der Enge unserer Sichtweise. Das ist befreiend und führt aus deprimierenden Bußgedanken heraus. Der Weg der Vergebung ist ein Prozess. Bedenken wir, dass unsere Zeit schnelllebig ist, Entscheidungen situativ getroffen werden und sich später als Fehlentscheidung herausstellen können. Haben wir den Mut und gestehen uns das ein bzw. gestehen wir unserem Nächsten zu, dass er auch Fehler macht. Vergessen wir nie, dass trotz aller Veränderung und Unbeständigkeit Christus‘ Evangelium unumstößlich bleibt. Welch ein Trost, welch eine Befreiung!

Geschichtliches zum Buß- und Bettag

Im Verlauf der Geschichte wurden Buß- und Bettage immer wieder aus aktuellem Anlass von der jeweils herrschenden Obrigkeit angesetzt. Dies geschah oft aufgrund von Not und drohender Kriegsgefahr, um so die Bevölkerung zur „Umkehr“ und zum Gebet aufzurufen.

Bereits die Bibel berichtet vom Propheten Jona, der von Gott nach Ninive geschickt wurde, um dieser Stadt ihren Untergang zu verkünden. Daraufhin rief der König ein allgemeines Fasten aus und Gott verschonte die Stadt (Jona 3,4–10).

Auch im Mittelalter gab es sogenannte Sühnetage: zum einen die kirchlichen Bußtage und zum anderen die von der weltlichen Obrigkeit aus aktuellem Anlass angeordneten Buß- und Bettage.

1532 fand in Straßburg der erste offizielle evangelische Buß- und Bettag statt. Ihm folgten zahlreiche Bußtagsfestgottesdienste an unterschiedlichen Tagen.
Im Jahre 1852 wurde der Mittwoch zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag als einheitlicher Termin festgelegt.

1994 beschloss die Bundesregierung, den Buß- und Bettag zugunsten der Mitfinanzierung der Pflegeversicherung ab 1995 als offiziellen Feiertag abzuschaffen. Nur in Sachsen ist dieser Tag auch heute noch ein arbeitsfreier Feiertag.