Ein Konzert der anderen Art zum Jahresausklang

Mittlerweile längst kein Geheimtipp mehr - der Jugendchor Gera gab kurz vor dem Jahresabschluss ein Konzert. Die proppenvolle Kirche der Gemeinde Gera in der Nestmannstraße mag als Beleg dafür gelten.

Mittlerweile längst kein Geheimtipp mehr - der Jugendchor Gera gab kurz vor dem Jahresabschluss ein Konzert. Die proppenvolle Kirche der Gemeinde Gera in der Nestmannstraße am Abend des 30. Dezember 2007 mag als Beleg dafür gelten.

Abgesehen von der großen körperlichen Leistung aller Akteure (mehrstündige Proben nochmals am Nachmittag und ein über zweistündiges Konzert, die Pause nicht mitgerechnet), darf und kann ich meinen persönlichen Gesamteindruck so formulieren: Schwungvoll, mitreißend, nachdenklich stimmend, geistlich erbauend, zutiefst berührend, ... und zudem ein Konzert mit einem inhaltlichen Tiefgang, einer totalen Focusierung direkt auf Gott und Jesus Christus, wohltuend ohne jegliche konfessionelle Dogmatik.

Was wurde "geboten"? Im ersten Teil erklang die "Deutsche Messe" von Franz Schubert. (Dies ist eigentlich ursprünglich eine katholische Messe, wird aber auch in evangelischen Gottesdiensten zelebriert. Der Text stellt keine Übersetzung der lateinischen Vorlagen dar, sondern beruht vielmehr auf der Sammlung "Geistliche Lieder für das heilige Messopfer" des Auftraggebers J.P. Neumann aus dem Jahre 1826.) Die meisten Lieder aus der Deutschen Messe finden sich - leicht bearbeitet - in der Chorliedersammlung der Neuapostolischen Kirche wieder.

Die Deutsche Messe (bestehend aus 8 Teilen: Zum Eingang / Zum Gloria / Zum Evangelium und Credo / Zum Offertorium / Zum Sanctus / Nach der Wandlung / Zum Agnus Dei / Schlußgesang und dem Anhang: Das Gebet des Herrn - wer mehr wissen möchte: siehe www.wikipedia.de) hat mir persönlich den Blick für die Feier des Heiligen Abendmahles geweitet. Aus den eindrucksvollen Texten seien deshalb einige wenige Auszüge gestattet:

"Verleih' uns Kraft und Mut, daß wir nicht nur die Wege seh'n, die der Erlöser ging, daß wir auch streben nachzugeh'n. Laß so dein Evangelium uns Himmels Botschaft sein, und führ' uns, Herr; durch deine Huld in's Reich der Wonnen ein.

Wir opfern hier, nach deinem Worte, auf deinem heiligen Altar; und du, mein Heiland, bist zugegen, des Geistes Aug' wird dich gewahr. Herr, der du Schmerz und Tod getragen, um uns das Leben zu verleih'n, laß dieses Himmelsbrot uns Labung im Leben und im Tode sein!

Herr, du hast mein Fleh'n vernommen, in die Welt hinaus, in's Leben folgt mir nun des Himmels Lust. Dort auch bist ja du mir nahe, überall und jederzeit. Allerorten ist dein Tempel, wo das Herz sich fromm dir weiht. Segne, Herr, mich und die Meinen, segne unsern Lebensgang! Alles unser Tun und Wirken sei ein frommer Lobgesang.

Anbetend Deine Macht und Größe versinkt in Nichts mein bebend Ich. Mit welchem Namen, Deiner würdig, Du Unnennbarer, preis ich dich."

In der (angenehm langen) Pause durfte jeder aus einem Angebot von verschiedenen Liedern aus mehreren Genres (Gospels, Spirituals, Neue geistliche Chormusik, Sakrale Chormusik) seine Wunschlieder auf bereitliegenden Flyern ankreuzen.

Eingeleitet wurde dann der zweite Teil von einem furiosen Orgelstück, gekonnt vorgetragen von Philipp Seidel: "Prelude in Classic Style" von Gordon Young.

Dann ging es los, das "Best Of" des Jugendchorrepertoires: Erfrischend moderiert und in der Reihenfolge "live" zusammengestellt vom Chorleiter Thomas Hinzke, drehten die jugendlichen Interpreten richtig auf … Ein Großteil stammte aus dem Konzertprogramm von Jena: Weißt du, wieviel Sternlein stehen / Jesus be a fence / Lord have mercy / Lied von der Liebe / Allein Gott in der Höh sei Ehr / All night, all day / Give me Jesus / Einen anderen Grund / Gedanken des Friedens / Let us break bread togehter / I need thee every hour / Das "Unser Vater" / Somebodys knocking.

Beindruckend und nach meinen perönlichem Geschmack "wie gemacht" für diese Art von Musik die Stimmen der Solistinnen Carolin Kortüm und Marion Heinold; "allererste Sahne", um mal im jugendlichen Jargon zu bleiben, nicht zu vergessen die (hochschwangere) Solistin Sylvia Hartmann an der Querflöte. Wohltuend empfand ich auch das Einbinden von mehreren Akteuren im Dirigat, in den Instrumentalbegleitungen oder in einzelnen Solostellen. Da wächst etwas heran ...

Gott hat durch seinen Sohn Jesus Christus ein menschliches Gesicht bekommen. Immer wieder wurde in den Liedern dem Zuhörer deutlich gemacht, was Gott eigentlich von uns Menschen will: uns nahe sein, uns helfen und tragen in allen Lebenssituationen. Er möchte aber auch eine Gegenreaktion von uns, eine Erwiderung seiner Liebe. "Jesus is knocking at your door - answer him!" Deshalb sollen wir Menschen diesen Jesus Christus, der an "unsere Herzentür klopft", in unser Innerstes hinein lassen, Ihm "antworten". Er kann uns aus der Gottesferne retten, er allein!

Gern hätte der Verfasser noch manchen seiner persönlichen "Best Of" gehört, aber es ging ja bei der Auswahl demokratisch zu ...

Absoluter Höhepunkt war - für mich - der Schluss, welcher nicht auf dem Programm stand, eine Zugabe des Jugendchores der besonderen Art: Der Vortrag des vertonten bekannten Gedichts von Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten". Dort heißt es u.a.:

"Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr."

Bonhoeffer schrieb dieses Gedicht in den dunkelsten Stunden seines Lebens im Dezember 1944 an seine Verlobte und seine Familie. Schön, dass es dazu auch einen erklärenden Flyer gab. Insbesondere die Textzeilen

"Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt,
die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang."

interpretierte der Chor in einer unglaublich berührenden Art und Weise.

Dieses Konzert hat bei mir Spuren hinterlassen ...

T.R.; Bilder: M.C.