Alles, was Odem hat, lobe den Herrn

Am Samstagnachmittag trugen Zentralchor und Orchester der Gebietskirche Sachsen/Thüringen unter Leitung ihres Dirigenten Jürgen Gerisch die 2. Sinfonie op. 52 von Felix Mendelssohn Bartholdy den zahlreich erschienen Zuhörern in der Plauener Kirche vor.

Genau genommen ist die Lobgesang-Sinfonie gar keine Sinfonie. Eigentlich ist sie eine Sinfonie-Kantate. Im Jahre 1840 schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy dieses Instrumental- und Vokalwerk, um die Erfindung der Buchdruckerkunst 400 Jahre zuvor durch Johannes Gutenberg würdig zu feiern.

Mendelssohns Anliegen war es, Instrumente, Chor und einzelne Stimmen gleichermaßen in den Lobpreis einstimmen zu lassen. Dass ihm das zweifelsohne gelungen ist, erkannten selbst zeitgenössische Kritiker an. Und auch heute noch hat die Sinfoniekantate nichts von ihrem Reiz verloren: Die ca. 300 Konzertbesucher in der Plauener Kirche lauschten andächtig, wie Orchester, Solisten und Chor den Bogen vom Loben, über Gedanken des Trostes, der Zuversicht und des Dankens hin zum abschließenden Lobpreis Gottes spannten.

Doch zuvor stellte Jürgen Gerisch die Sinfoniekantate kurz vor. Mit ein paar einleitenden Worten über das Werk und seine Entstehungsgeschichte und dem anschließenden Vorspiel des Leitmotivs durch das Orchester führte er das Publikum an diese Art von Musik heran.

Dann war es so weit: Die ersten Töne des "Lobgesangs" erfüllten den Kirchensaal. Mal ruhig, fast schon melancholisch, dann kraftvoll und vorwärts drängend - so gestalteten Dirigent und Orchester die ersten drei rein instrumentalen Partien. Mit Leib und Seele musizierend verliehen sie ihrer Freude über diesen Beginn der Sinfoniekantate Ausdruck. Überschwängliche, dramatische, lyrische und religiöse Elemente prägten diesen ersten Teil, bis sich dann ein sehr gut vorbereiteter Zentralchor und die Solisten Cornelia Kortüm (Sopran), Carolin Kortüm (Sopran) und Rüdiger Husemeyer (Tenor) dazugesellten.

Auch im vokalen Teil wurden die Zuhörer in einen Aufruhr der Gefühle versetzt: mal vorwärts drängend, auffordernd, dann wieder zurückhaltend, mal zweifelnd, dann wieder in sich ruhend, getröstet und hoffnungsvoll. Insbesondere in dem berühmten Duett zwischen Sopransoli und Chor "Ich harrete des Herrn und er neigte sich zu mir... Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn" brachte Mendelssohn diese Zuversicht gekonnt zum Ausdruck. Doch die Dankbarkeit und das Bewusstsein, dass die Allmacht Gottes stets gegenwärtig ist, ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk. Als Synonym für die Dankbarkeit verankerte der Komponist den allseits bekannten, schlichten, aussagekräftigen Choral "Nun danket alle Gott".

Der Zentralchor präsentierte sich als Chor mit Glaubensüberzeugung, Kraft und Gestaltungssicherheit. Beeindruckend gelang Chor und Orchester die Partie, in der Mendelssohn den Übergang von der Nacht zum Tag heraufbeschwört. Dass gerade dieser Teil eine besondere Herausforderung für den Laienchor darstellt, war aufgrund der frischen Musizierweise für das Publikum am Samstag kaum wahrnehmbar.
Großen Anteil an dieser gelungenen Aufführung von Mendelssohns "Lobgesang" hatten auch die Solisten. Denn mit Souveränität und Ruhe gestalteten sie ihre Solopartien.

Als der grandiose Schlusschor "Alles, was Odem hat, lobe den Herrn..." verklungen war, hielt es viele Zuhörer in der vollbesetzten Kirche nicht mehr auf ihren Sitzen. Stehende Ovationen: der "Lobgesang" des Publikums auf Chor, Orchester und Solisten.

Mendelssohns "Lobgesang" liegt den Ausführenden gerade auch wegen seiner Textinhalte am Herzen, das ließen sie zweifelsfrei durch ihre Vortragsweise erkennen. Und sie haben ihr Publikum von diesem Stück überzeugen können.

An diesem Nachmittag sah man erfüllt, was Luther in die Worte kleidete:

"Sondern ich wöllt alle Künste, sonderlich die Musica, gern
sehen im Dienst des, der sie geben und geschaffen hat."
(Dr. M. Luther)

Text: S.C., Fotos: K.Mr.