"Behindert? Na und..." - Jugendstunde mit Pfiff

Eine zusätzliche Jugendstunde im Monat Januar mit ganz besonderem Gepräge fand in der Sportschule "Kurt Rödel" in Greiz stand. Zwei jugendliche Vertreterinnen des Kreisverbandes für Behinderte sowie 70 Jugendliche aus den Gemeinden des Kirchenbezirkes folgten der Einladung. In der Ankündigung war die gemeinsame Erarbeitung von Verhaltensweisen und Tipps im Umgang mit Behinderten zu lesen.

(30.01.2009) Greiz. Eine zusätzliche Jugendstunde im Monat Januar mit ganz besonderem Gepräge fand in der Sportschule "Kurt Rödel" in Greiz stand. Zwei jugendliche Vertreterinnen des Kreisverbandes für Behinderte sowie 70 Jugendliche aus den Gemeinden des Kirchenbezirkes folgten der Einladung. In der Ankündigung war die gemeinsame Erarbeitung von Verhaltensweisen und Tipps im Umgang mit Behinderten zu lesen.

Nachdem der Beauftragte für die Jugend im Kirchenbezirk Plauen, Priester Thomas Götze, in einer Präsentation zunächst auf den Slogan des Behindertenverbandes "Behindert? Na und..." einging, folgte ein spannend gestalteter Dialog mit den Betroffenen. Die Jugendlichen, Matthias Herrmann aus der Gemeinde Schleiz und Manuel Brückner aus der Gemeinde Reichenbach beteiligten sich als Behinderte in Folge von tragischen Unfällen mit eigenen Erlebnisberichten. Zudem konnten die Anwesenden den Ausführungen des seit Geburt mit schwerem Herzfehler lebenden Thomas Schneider aus der Gemeinde Plauen folgen. Bewegend und doch manchmal zum Schmunzeln anregend, berichteten Kerstin Fleischer, von Kind auf an den Rollstuhl gebunden und Madlen Schetelich, die als Kind erblindet ist, über Situationen, wo sie falsche oder fehlende Hilfe erlebten. Letztere waren die beiden Vertreterinnen des Behindertenverbandes.

Alle fünf Behinderte beantworteten eindrucksvoll und bewegend die zahlreichen Fragen der Jugendendlichen zu den alltäglichen Aufgaben, wie Haushaltführung, Einkaufen, Arbeit, Familienplanung, Mobilität usw. Die offene Gesprächsatmosphäre war beeindruckend, es gab kein Tabuthema.

In den Gesprächen eingebettet konnten viele hilfreiche Verhaltensweisen im normalen und akzeptierten Umgang mit Behinderten herausgearbeitet werden, wie z.B.:<liste art="•">

  • Frage den Behinderten immer so, dass er auch Hilfe ablehnen kann.
  • Bedränge ihn niemals mit deinem Hilfsangebot.
  • Sei nie enttäuscht, wenn er Hilfe ablehnt.
  • Spreche den Blinden immer von vorn an; berühre ihn nicht, wenn er einen Hund bei sich hat; erkläre ihm Hindernisse oder was auf dem Teller liegt.
  • Der Blinde möchte bei dir mit dem Dreifingergriff einhaken, was auch vorgeführt wurde.
  • Spreche langsam, deutlich und mit viel Gestik einen Hörgeschädigten an. Stelle dich dabei ins Licht.
  • Habe immer Geduld. Spreche mit einem geistig Behinderten in kurzen Sätzen. Kompliziertere Aufträge sollten in Teile aufgesplittet werden.
  • Folge den Anweisungen des Behinderten.
  • Übertriebene Hilfe wirkt erniedrigend.
  • Bedenke immer: Behinderte können mehr, als du vermutest.
  • </liste>

    Die Aufzählung könnte beliebig fortgeführt werden.

    Die Zielstellung der Jugendstunde "Wir wollen von unseren Gästen etwas lernen!", wie sie Thomas Götze formulierte, wurde erreicht. Das Gebot der Nächstenliebe erhielt mit dieser Jugendstunde in der praktischen Umsetzung eine weitere Dimension.

    Der gemeinsame Imbiss eröffnete zahlreiche Möglichkeiten zu individuellen Gesprächen mit den anwesenden Behinderten.

    Anschließend hatten alle Jugendlichen und ihre Betreuer die Gelegenheit, in der Sporthalle bis weit nach Mitternacht Sport zu treiben. Solche nächtlichen Sportfeste sind im Kirchenbezirk Plauen zu einer schönen und immer von den Jugendlichen gewollten Tradition geworden. Schon jetzt wurde nach einem weiteren Termin gefragt.

    Text: U.S., Fotos: U.S.

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