Mit dem Brustton der Überzeugung

In kaum einem Bereich des Lebens sind Fortbildungen wegzudenken. Sich kontinuierlich weiterzubilden ist eine Notwendigkeit in heutiger Zeit, der sich auch Dirigenten und Sänger gleichermaßen zu stellen haben, wenn sie gemeinsam harmonischer, leistungsfähiger und überzeugender ihre Glaubensbotschaft auf musikalischem Weg an den Mann/die Frau bringen wollen.

Dirigenten- und Stimmbildungsseminar in Plauen

Plauen. In kaum einem Bereich des Lebens sind Fortbildungen wegzudenken. Sich kontinuierlich weiterzubilden ist eine Notwendigkeit in heutiger Zeit, der sich auch Dirigenten und Sänger gleichermaßen zu stellen haben, wenn sie gemeinsam harmonischer, leistungsfähiger und überzeugender ihre Glaubensbotschaft auf musikalischem Weg an den Mann/die Frau bringen wollen.

Aus diesem Grund hatte der Beauftragte für Musik im Kirchenbezirk Plauen, Priester René Pinnow, zum 3. Dirigenten- und Stimmbildungsseminar nach Plauen eingeladen. Fachkundige Unterstützung erhielt er auch diesmal wieder von der Dipl. Musikerin und Gesangspädagogin Jördis Urban.

Mehr als 50 (Vize)Dirigent/innen und Sänger/innen hatten sich am Samstag, den 14. Februar, um 10 Uhr in der Plauener Kirche eingefunden. Es erwartete sie ein ganztägiges Weiterbildungsangebot mit leicht verständlichen, gut nachvollziehbaren Praxisbeispielen und wertvollen Impulsen für die eigene Betätigung als Dirigent und Sänger.

Die Stimme, das erste und persönlichste Instrument des Menschen, richtig zu nutzen, vielleicht sogar neu bzw. wieder zu entdecken, mit ihr Lieder zu interpretieren, war Inhalt der Schulung. Aufbauend auf den vorangegangenen Stimmbildungsseminaren wurden das bisherige Wissen vertieft und neue Erkenntnisse gewonnen. Zum Beispiel animierte Schwester Jördis Urban diesmal die Teilnehmer, während des Einatmens die Zehen in den Schuhen einzukrallen. Sinn der Übung war, den Atem nach unten, weit hinab in den Körper zu bringen. Positiver Nebeneffekt dieser Übung: Wenn man sich während des Gesangs auf das Einrollen der Zehen konzentriert, gelingen einem so genannte "Angststellen" wie z. B. Piano-Einsätze oder hohe bzw. tiefe Tonpassagen wesentlich leichter. Ausprobieren lohnt sich!

Im Mittelpunkt der Schulung stand, wie man andere überzeugt - sowohl mit dem Dirigat als auch mit dem Gesang. Wenn Chorleiter und Sänger mit ihren Liedvorträgen genau das rüberbringen, was sie ausdrücken möchten, fühlen sich ihre Zuhörer wohl und folgen ihnen gern. Passen Liedaussage und Gesang nicht zusammen, löst das Irritationen oder sogar Ablehnung aus.

Die Vorgehensweise, sowohl Sänger als auch Dirigenten gemeinsam fortzubilden, bewährte sich auch diesmal wieder. Die Chorleiter bekamen nämlich ausreichend Gelegenheit, mit den teilnehmenden Sangesfreudigen zu experimentieren, indem sie den Prozess der Übertragung eigener Empfindungen auf die Sänger erproben konnten. Die innere Überzeugung gibt der Stimme die Glaubwürdigkeit, dem Körper die Spannung und Präsenz und den Augen den Glanz. Das heißt: Der Chorleiter ist angehalten, durch eindeutig formulierte Gestaltungshinweise, unablässigen Augenkontakt, gespannte Körperhaltung, Mimik und Gestik den Sängern seine Gedanken und Empfindungen zu erkennen zu geben. Das bedarf fortwährender Übung und kritischer Selbstkontrolle.

Wie sich im weiteren Verlauf anhand zahlreicher Gesangsexperimente zeigte, spiegelt(e) der Chor in seiner Vortragsweise die Persönlichkeit des Dirigenten und seine Handlungen wider. Besonders deutlich sichtbar wurde das, als Lieder aus der Chormappe geübt wurden, die einer Vielzahl von Sängern und Dirigenten noch unbekannt waren: Wenn der Chorleiter fortwährend Augenkontakt zu seinen Sängern hielt, fühlten sie sich dazu angehalten diese Verbindung aufrecht zu halten. Trotz der unbekannten Liedliteratur versuchten sie sowohl Tonfolgen als auch Text im Vorhinein zu erfassen, um sich dann auf das Dirigat konzentrieren zu können. Schaute der Dirigent hingegen mehr in seine Noten als zu seinen Sängern riss die Verbindung ab und der Chor reagierte weitaus schwerfälliger.

Des Weiteren verdeutlichten die Seminarleiter, welche Verantwortung den Dirigenten und Sängern zukommt:

Verantwortung gegenüber dem Komponisten und Schriftsteller
Die Vortragenden müssen versuchen die Werke so zu verstehen, wie ihr jeweiliger Schöpfer sie gemeint hat. Gleichzeitig müssen sie sie so darbieten, wie sie selbst sie empfinden.

Verantwortung gegenüber dem Zuhörer bzw. Zuschauer
Denn er lässt sich ein auf die Darbietung und auf das, was der Chor ausstrahlt. Das setzt voraus, dass die Sänger und ihr Dirigent stets bereit sind, sich selbst und ihre Arbeit kritisch zu hinterfragen, um authentisch zu sein und zu bleiben.

Fazit

Durch die vielfältigen, praxisnahen Weiterbildungsinhalte haben die Seminarteilnehmer gemerkt, dass auch auf diesem Gebiet des Lernens kein Ende ist. Gleichzeitig überwand mancher von ihnen durch die Umsetzung der fachkundigen Tipps und Hinweise seine Grenzen hinsichtlich des Motivations- und Führungsgeschicks bzw. des stimmlichen Leistungsvermögens.
Nun gilt es, die Selbsterfahrungen in die Gemeindechöre zu tragen, hier weiter zu vertiefen und andere Sänger zu motivieren, es ihnen gleich zu tun.

Damit die Dirigenten mit ihren Chorsängern auf dem gleichen Wissensstand stehen, wäre es gut, wenn sich zukünftig noch mehr von ihnen für diese Art der Fortbildung interessieren würden. So könnten sie überzeugender, harmonischer und leistungsfähiger ihre Glaubensbotschaft den Zuhörern übermitteln. Denn wie sagte bereits Augustinus von Hippo (354-430) einstmals: "In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst."

Zum Schluss soll die Gelegenheit genutzt werden, dem Bewirtungsteam der Gemeinde Plauen unter Leitung von Bruder G. Rabenstein von Herzen Dank zu sagen für die liebevolle Umsorgung an diesem Tag.

Text: S.C./Fotos: A.D.

Praktische Anleitung...