Alles hat seine Zeit

Frau Maria Meinel, ausgebildete Krankenschwester - derzeit hauptamtlich Koordinatorin im Malteser Hilfsdienst e.V. Plauen, gab beeindruckende Einblicke in die engagierte Arbeit der zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter des ambulanten Besuchs- und Hospizdienstes.

Hospizarbeit - ein großer Akt der Mitmenschlichkeit

(12.05.2009) Plauen/V. Frau Maria Meinel, ausgebildete Krankenschwester - derzeit hauptamtlich Koordinatorin im Malteser Hilfsdienst e.V. Plauen, gab beeindruckende Einblicke in die engagierte Arbeit der zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter des Ambulanten Besuchs- und Hospizdienstes.

"Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun,
werden das Gesicht der Welt verändern."
Afrikanische Weisheit

Geburt und Sterben gehören zu den elementarsten Erlebnissen eines Menschen. Während die Geburt als freudiges Ereignis gefeiert wird, will man ungern mit dem Tod konfrontiert werden. Und doch weiß jeder Mensch, dass der Tod ein Teil des Lebens ist. Wann man von dieser Erde Abschied nehmen muss, weiß Gott allein. Dieses Unbekannte, nicht im Voraus Planbare macht vielen Menschen Angst. Hinzu kommt die Angst vor dem Sterbeprozess, vor Schmerzen, vor dem Alleinsein, vor einem langen Leidensweg in der Anonymität medizinischer Einrichtungen - fernab von der Unterstützung und Nähe der Angehörigen und Freunde.

Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Hospizhelfer ein: Sterbende nicht allein zu lassen, ihnen einen Platz im Leben einzuräumen, sie und ihre Angehörigen in diesem Lebensabschnitt zu begleiten - mit all ihren Wünschen und Zielen. Denn der Weg des Sterbens ist für jeden Menschen sehr unterschiedlich - einzigartig wie der Mensch selbst. Es ist wichtig, bereit zu sein, die Art und Weise, die der Sterbende für sich wählt, als die für ihn richtige Art anzunehmen und innerlich bereitwillig mitzugehen, auch wenn sie den eigenen Vorstellungen widerspricht. Es ist sein Sterben. Und man weiß nicht, wie man selber diesen Weg einmal gehen wird.

Hospizarbeit - was ist das?

Der Begriff "Hospiz" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "Herberge, Gastfreundschaft". Frau Meinel erklärte den Anwesenden, dass die Hospizarbeit jung und zugleich sehr alt ist. Bereits im Mittelalter bauten Ordensgemeinschaften Herbergen entlang der Pilgerstraßen, in denen Wanderer Unterkunft fanden, Kranke gepflegt wurden, Bedürftige Zuflucht fanden, Schwangere ihre Kinder zur Welt brachten und Sterbende bis zur letzten Stunde ihres Lebens begleitet wurden. Hospizarbeit bedeutete also damals schon "Lebensbegleitung". Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Wie die Zuhörer im Verlauf des kurzen Geschichtsabrisses von Frau Meinel erfuhren, entstand die moderne Hospizbewegung in den 1960er Jahren in England und ist wesentlich auf Dr. Cicely Saunders (1918-2005) zurückzuführen. In dem von ihr gegründeten "St. Christopher's Hospice" in Sydenham (bei London) werden etwa 2000 Patienten und ihre Angehörigen pro Jahr betreut.

Des Weiteren führte Frau Meinel aus, dass die internationale Hospizarbeit durch die Arbeit von der Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross (1926-2004) nachhaltig beeinflusst wurde. Angeregt durch die Arbeit mit Schwerstkranken begann sie den Sterbevorgang systematisch zu erforschen. Sie fragte Sterbende, was und woran sie dachten und welche Gefühle sie angesichts ihres bevorstehenden Todes hegten. Aufgrund dieser Aussagen erkannte sie, dass die Sterbenden bestimmte Stadien durchlaufen:

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  • Leugnung: "Nicht ich, das kann unmöglich mir passieren."
  • Zorn: "Warum ausgerechnet ich?"
  • Verhandeln: Hadern mit Gott
  • Depression: Das Spiel ist aus.
  • Akzeptanz: Es ist gut so.
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    Diese Phasen laufen nicht geradlinig nacheinander ab, sondern spiralförmig: Jede Veränderung im Krankheitsverlauf bedingt eine bestimmte Phase. Es ist ein Prozess der inneren und äußeren Entwicklung - der Weg vom NEIN zum JA.

    Seit 1980 gibt es auch in Deutschland Hospizdienste, die von den Schwerstkranken, Sterbenden und deren Angehörigen kostenfrei in Anspruch genommen werden können. Die Betreffenden werden ganzheitlich von den Hospizhelfern unterstützt und begleitet. Was heißt das konkret?

    Hospizhelfer
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  • ermöglichen dem Schwerkranken, dass er die ihm noch verbleibende Zeit in seiner vertrauten Umgebung verbringen kann
  • sind Alltagsgestalter, d. h. sie führen Gespräche oder hören einfach nur zu, sie erfüllen realistische Wünsche, lachen, träumen und weinen mit dem Sterbenden
  • entlasten Angehörige und schaffen ihnen Freiräume, damit sie neue Kräfte sammeln können
  • sind "Brückenbauer" - von der Gegenwart in die Zukunft, vom Dunkel ins Licht und von Mensch zu Mensch
  • geben Informationen und vermitteln kompetente Ansprechpartner in Sachen Pflege, gesundheitliche und therapeutische Versorgung
  • arbeiten eng mit Pflegediensten, Ärzten, Seelsorgern, stationären und ambulanten Einrichtungen zusammen
  • begleiten Trauernde, bestärken sie in ihrer eigenen Trauerbewältigung. Das bedeutet, dass zuweilen "unkonventionelle" Mittel und Wege beim Abschiednehmen hilfreich für sie sein können.
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    Wesentlicher Aspekt der Hospizarbeit ist, dass die Fürsorge auf die Erhaltung und vielleicht sogar Verbesserung der Lebensqualität des Betroffenen ausgerichtet ist. Eng verbunden ist damit eine feinfühlige, tröstende und vor allem fachkompetente Vorgehensweise von Seiten der Hospizhelfer. Denn sie werden in der Zeit der Sterbegleitung zu Vertrauten. Der Sterbebegleiter muss sich als Person zurücknehmen und seine Wahrnehmung sensibilisieren. Er muss sich bewusst machen, dass ein Nachvollziehen der Gefühls- und Erlebniswelt des Schwerkranken für ihn als Begleiter nur im Ansatz möglich ist.

    Wie gehen die Hospizhelfer mit der emotionalen Belastung um?

    Auf diese Frage antwortete Frau Meinel lächelnd, dass es für sie ein Bedürfnis sei, den sonntäglichen Gottesdienst in ihrer Kirche zu besuchen. Denn hier finde sie als aktive evangelische Christin Ruhe und Geborgenheit, um ihre Kräfte neu zu stärken. Kurzum: Jeder Hospizhelfer muss für sich selbst herausfinden, wo und wie er seine Kraftreserven neu auftanken kann. Darüber hinaus ist es wichtig, Gedanken und Erfahrungen in der Gruppe mit den anderen Mitarbeitern auszutauschen.

    Die Vielfalt der Empfindungen ist groß, denn es kommen hier Hospizhelfer zusammen, die sich mit ganz verschiedenen Voraussetzungen für diesen Dienst beworben hatten: solche mit medizinischer oder pflegerischer Ausbildung und andere ohne Vorkenntnisse, Christen und Konfessionslose, Betroffene mit eigenen Erfahrungen und Menschen, die noch keinen unmittelbaren Verlust in der Familie erlebt haben.

    Eines haben sie gemeinsam: Sie sind Mutmacher, Visionäre, Menschen mit großem Herzen, zupackender Tatkraft, hohem Einfühlungsvermögen und unterschiedlichsten Begabungen, die mit Zuneigung, Erfahrung, Glauben, Einsatzbereitschaft und fundierter Ausbildung zum Hospizhelfer den Sterbenden, ihren Angehörigen und Trauernden aufopferungsvoll zur Seite stehen. Aus dieser Arbeit schöpfen sie inneren Frieden, erfahren menschliche Wärme, erleben wie sich Prioritäten verschieben und wirklich Wichtiges immer mehr in den Vordergrund rückt. Sie sind dankbar, dass es Menschen gibt, die ihre Hospizarbeit mittragen - sei es durch Mitgliedschaft im Hospizverein, durch ehrenamtliches Engagement, durch Gebet oder auch mit einer Spende.

    Zum Abschluss ihres Vortrages erzählte Frau Meinel eine Geschichte - die Geschichte der "Handvoll Bohnen": Ein italienischer Graf verließ nie sein Haus, ohne sich eine Handvoll Bohnen einzustecken. Er wollte die schönen Momente des Tages bewusst wahrnehmen und sie zählen können. So ließ er jedes Mal, wenn er etwas besonders Schönes erlebte - einen Plausch mit der Nachbarin, ein Vogelzwitschern in der Abendkühle, ein Kinderlächeln, ein gutes Essen - kurz für alles, was seine Sinne erfreute, eine Bohne von der einen in die andere Jackentasche wandern.
    Abends zählte er seine Bohnen, seine glücklichen Momente des Tages. Manchmal waren es mehrere an einem Tag, manchmal war es nur eine einzige Bohne. Selbst dann war er sich bewusst: Auch wenn es nur ein einziger Moment des Tages war, der ihn glücklich gemacht hatte - dafür hat es sich gelohnt zu leben.

    Text: S.C./Fotos: K.Mr.

    Kontakt:
    Malteser Hilfsdienst e.V.
    Thomas-Mann-Straße 10
    08523 Plauen
    Tel.: 03741 / 14 68 65 oder 0171 / 30 36 454
    Ansprechpartnerin: Frau Maria Meinel

    Hospizverein Vogtland e.V.
    Nordhorner Platz 1
    08468 Reichenbach
    Tel.: 03765 / 61 28 88
    Fax: 03765 / 61 28 89
    Handy: 0174 / 12 59 76
    Internet: www.hospizverein-vogtland.de
    Ansprechpartner: Frau Babette Mitschke, Frau Heike Lebelt

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